Düsterwaldens Schicksal

in grauen nebels dichter wand
tritt ein schatten, unerkannt
auf düsterwaldens marktplatz auf
nun nimmt das schicksal seinen lauf.
in grau’m gewand und braunen decken
voll schmutz und dreck, mit knorrig stecken,
leise schlurfend durch den staub
über pfützen, über laub,
bis inmitten, nah am brunnen,
seine schritte jäh verstummen.
und aus dem fleck’gen flickgewand
schält sich eine knöchig’ hand.
reckt kurz zögernd sich empor
und westlich her vom großen moor,
flattert aus der nebelnacht
ein rabe auf den brunnenschacht.
der mann, ein solcher scheint’s zu sein,
blickt aus augen, bleich wie bein,
blickt den menschen, die im schlaf,
in die seele, fordert straf’,
für das, was sie aus ihm gemacht,
in jener lauen sommernacht.
er spricht zum raben ohne wort’
er möge fliegen heim zum hort
die rabenbrüder herzuholen
derweil würd’ er hier mit symbolen,
sprüchen, tanz und zauberei -
im grund’ ist es ja einerlei,
nun flieg, mein rabe, kehr’ zurück,
denn dies nun wird mein meisterstück.
und als der rabe sich erhebt,
und in die neblig’ nacht entschwebt,
verschwindet auch besagter nebel,
nimmt der stille ihren knebel,
und düsterwald, im mondenschein,
jetzt bricht für dich die nacht herein.
Ein einz’lner wolf, in dieser zeit,
er heult, besingt die ewigkeit,
die nun fällt auf das dorf herab,
bedeckt es wie ein off’nes grab.
Und die gestalt, sie stakst von dannen,
ein weit’res dorf von hier zu bannen.
und als am morgen alle raben
sich am regenwasser laben,
beginnt für düsterwald der tag,
der einsam über’m dörfchen lag.
es fiel den leuten gar nichts auf,
das leben nahm halt seinen lauf
und nach tagen ohne sonne
verging den leuten bald die wonne
der graue schleier nicht verging
und jeden tag um’s dörfchen hing.
der gleichmut und die einsamkeit,
sie griffen um sich mit der zeit.
man döste nur noch vor sich hin,
dem leben fehlte jeder sinn.
und auch, als längst sollt’ winter sein,
düsterwald blieb ganz allein,
vergessen von der welt und zeit,
bis in alle ewigkeit.
keiner starb, kein kind wurd’ alt,
und keiner fand mehr aus dem wald,
man kam, egal wohin man ging,
doch stets wieder zum dörfchen hin.
die leute stumpften langsam ab,
düsterwald, ein lebend’ grab.
manche standen nur herum,
wurden, mit verlaub, strunzdumm,
der rest begann bald durchzudrehen,
die schwere langsam zu verstehen,
wollten vor der strafe fliehen,
lieber vor dem herrgott knien.
doch wer sich umbracht’, lebt’ am morgen,
wieder mit den alten sorgen,
und wer begann, den wald zu fällen,
musste nach der nacht feststellen,
dass der wald wie unberührt,
als ob man nie die axt geführt.
und dann sah auch der letzte ein,
dass alle müh’n vergeblich sein.
das dorf verfiel in apathie,
lethargisch wurd’ bald selbst das vieh,
bis alles lebte vor sich hin,
gleichgültig, und ohne sinn.
viel’ hundert jahre, all die zeit,
wachten in allwissenheit
die raben über düsterwald,
als stumme richter, schwarz und kalt.

Düsterwald in Ewigkeit.
Ein Dorf – vergessen von der Zeit.