Beziehungsträume 2 - Regen

Im strömenden Sommerregen, der einem breit gefächerten Wasserfall gleich vom nächtlichen Sommerhimmel fällt und beim Auftropfen auf Markisen, dunkelglitschig-spiegelndes Kopfsteinpflaster, Regenschirme, dünne Sommerjacken und eine breite Palette an Haarfarben auch auf uns herniederfällt und durch das, obgleich schmale, leider auch ungünstig liegende Gässchen zwischen zwei Häusern nicht in nennenswerter Weise vermindert wird, durchweichte uns bereits seit einigen Minuten, als wir uns entschlossen, hier einen inzwischen doch recht zweifelhaften Unterschlupf zu suchen und wenn schon nicht vor dem Regen, so doch derzeit wenigstens vor dem Wind und den Blicken allzu neugieriger Sommerabendeinkaufspassanten mehr Schlecht als Recht geschützt waren.
Als vollendeter Edelmann der obersten Liga hatte ich natürlich bereits vor einer Stunde ihr meine Jacke gegeben, und die beinahe minütlich schwerer werdenden Plastiktüten mit diversem Einkaufsmaterial befanden sich auch schon den halben Tag in meinem Besitz. Das meiste Geld, das sie ausgab, war selbstverständlich von mir, und ihre Laune wurde durch meine Anwesenheit nicht einmal durch die Kühle, den Regen oder sen Wind getrübt.
Nun standen wir dennoch in einer kleinen Seitengasse, die Tüten sorgsam in dem kleinen trockenen Fleckchen, das sich hier bot, gestapelt, damit der inzwischen recht teure Inhalt nicht noch weiter aufgeweicht würde, und wir beide eng aneinander und an die Hauswand gedrückt. Wir atmeten langsam und gleichmäßig, vielleicht auch etwas stoßweise, denn die Kälte schnürte uns beiden den Brustkorb zu. Schauten uns durch den Regen hindurch an (was kein sonderlich erwähnenswertes Hindernis war, denn selbst bei diesem Regen war zwischen unseren Gesichtern nicht viel Platz für andere Dinge), warteten auf eine Reaktion des anderen. Eine oder zwei Minuten später muss ich schließlich doch grinsen, was meine Begleiterin ebenfalls amüsiert. Sie drückt mir einen kleinen Kuss auf die Lippen und schlingt ihre Arme um mich und meinen nassen Pullover.
“Ich bin dafür dass wir jetzt nach Hause gehen. Ich möchte dich mal wieder umarmen ohne dabei noch nasser zu werden.” sagt sie und reckt ihr Kinn nach oben.
Ich stimme ihr zu. “Und dann mach ich dir einen schönen heißen Tee und wir kuscheln uns aufs Sofa unter eine warme Decke und schauen ins Kaminfeuer.”
Sie strahlt und wippt auf ihren Fußballen, dann löse ich mich von ihr, greife nach den Plastiktaschen und laufe neben ihr her. Sie hakt sich bei mir unter und lotst mich in Richtung einer Bushaltestelle.
Gleich müsste er kommen, der uns dann nach Hause fährt. Dann nochmal eine halbe Minute durch den Regen rennen, damit wir uns schließlich im Haus, in dem hoffentlich das Holz schon vorbereitet liegt, vor dem frisch entfachten Kaminfeuer begierig aus den nassen Sachen schälen können, uns auf die Couch schmeißen und dann zufrieden dort einschlafen können.
Wenn ich Glück habe, liegt meine Belohnung für die bereitwilligen Dienste heute in einer Massage. Oder mehr, aber ich will mal den Tag nicht vor dem Abend loben. Es ist ja doch schon Belohnung genug, dass ich sie so oft begleiten darf.
Mit was habe ich diesen Engel denn verdient…